Wir müssen über Adoption sprechen!
Warum wird die Adoptionsfrage gefühlt fast ausschließlich bei Menschen mit unerfülltem Kinderwunsch gestellt?
Was ist das Ziel von Aussagen wie "...dann adoptiert doch einfach!" oder "...ist denn Adoption keine Option?"
Wie sich solche Aussagen beispielsweise für Menschen im Kinderwunsch anhören können?
Danach, dass Adoption ein sicherer Weg aus einer schmerzhaften Situation ist.
Danach, dass es doch letztlich keine Rolle spielt, wie man zu einem Kind kommt und Eltern wird.
Danach, dass man sein Glück definitiv selbst in der Hand hat.
Adoption ist mehr, als einfach "ein Kind zu bekommen".
Adoption ist eine Lebensbegleitung, wie es jede Elternschaft sein sollte.
Adoption bedeutet, einem Kind, das einen höchstwahrscheinlich ungewöhnlichen Start ins Leben hatte, bedingungslos ein zu Hause, eine Familie, eine lebenslange Begleitung zu schenken ohne die biologischen Eltern zu sein.
Ohne zu wissen, welche Herausforderungen aufgrund des bisher erlebten ggf. später auf einen zukommen.
Ohne zu wissen, was genau das Kind schon erlebt hat und wie sein bisheriges Leben verlaufen ist.
Ohne zu wissen, wie das Kind mit seiner eigenen Adoption umgehen wird.Adoption bedeutet, sich die ersten Monate nicht sicher sein zu können, ob das Kind, als dessen Adoptiveltern man ausgewählt wurde, definitiv bei einem bleiben wird.
Adoption bedeutet Commitment.
Adoption bedeutet Elternschaft.
Adoption ist nichts, das man einfach mal so tut.
Zu einer Adoption gehört ein häufig jahrelanger Parcours, gesäumt von psychologischen Untersuchungen, Vorbereitungskursen, Anträgen und jeder Menge administrativem Aufwand , der Unsicherheit, ob man berücksichtigt wird und ein Kind vermittelt bekommt uvm.
Und auch diese Entscheidung zu treffen bzw. den Schritt hin zu einer Adoption zu wagen, ist nicht einfach.
Hinzu kommt der finanzielle Aspekt, den ganz sicher nicht jedes Paar stemmen kann.
Adoption bedeutet die Schaffung eines dauerhaften Eltern-Kind-Verhältnisses durch einen Rechtsakt anstatt durch Geburt des Kindes, was erst einmal etwas anderes ist, als ein Kind zur Welt bringen. Das ist eine Realität, die nicht für jede*n ist.
Jeder Mensch hat individuelle Gründe, aus welchen sie/er sich ein Kind und eine Elternschaft wünscht.
Menschen, bei denen es auf natürlichem Weg funktioniert.
Menschen, die medizinische Unterstützung in Anspruch nehmen müssen.
Menschen, die weder auf natürlichem noch auf medizinischem Weg leibliche Kinder bekommen können.
Ein Kinderwunsch ist nicht der andere - er ist mal mehr oder weniger intensiv - egal, wie der Weg zum Wunschkind aussieht.
Bitte lasst uns über Adoption sprechen, aber angemessen und global - denn Adoption ist mehr, als ein scheinbarer Ausweg aus der Kinderlosigkeit.
Letztlich geht es bei dieser Entscheidung darum, wie man Eltern werden möchte und welche Art der Elternschaft man sich für sich wünscht und nicht ausschließlich darum, ob man Eltern werden möchte und wird.
Zudem sind der eigene Kinderwunsch, die Vorstellung der Elternschaft wie auch eine Adoption sehr intime Themen.
Themen, mit welchem beispielsweise Menschen, die auf natürlichem Weg Kinder bekommen (können), seltener konfrontiert werden.
Warum eigentlich?
Wir sollten uns vor Augen halten, dass es bei einer Adoption um einen Menschen geht, einen Menschen wie du und ich, der diese Entscheidung nicht trifft.
Und nicht nur darum, was ich oder du uns wünschen.