manushya | Tür in eine Welt ungewollter Kinderlosigkeit

manushya | Tür in eine Welt ungewollter Kinderlosigkeit

“Macht euch keinen Stress, ihr seid ja noch jung!” 

“Nächsten Zyklus klappt es bestimmt!” 

“Fahrt doch einfach mal in Urlaub!” 

“Sollen wir euch mal zeigen, wie das geht...?” 

“Dann adoptiert doch einfach!” 

 

Das und noch viel mehr wurde uns über Jahre zu unserem unerfüllten Kinderwunsch geraten.  
Aussagen, die uns mehr als einmal verletzt haben. 
Aussagen, die uns den Eindruck vermittelten, nicht ernst genommen zu werden.  
Den Eindruck, unsere Gefühle würden nicht ernst genommen.  
Unser Empfinden würde nicht ernst genommen.  
Unsere Realität würde nicht ernst genommen.  

Mehr, als nur einmal habe ich mir aus tiefstem Herzen gewünscht, mein Gegenüber meine Welt durch meine Augen sehen lassen zu können.  

Den Schmerz. 
Die Trauer. 
Die Ohnmacht.  
Die Verzweiflung. 
Die Scham.  

In der Kinderwunschklinik haben wir gesehen, dass wir nicht alleine sind.  
Dort haben wir Menschen jeden Alters, jeder sozialen Klasse und unterschiedlichster Herkunft gesehen.  
Es gab unzählige Menschen, denen es so ging, wie uns. 
Es gibt unzählige Menschen, denen es so geht so geht, wie uns.  

 

Die Erfolgsquote einer künstlichen Befruchtung – bedeutet eine Schwangerschaft – liegt je nach Ausgangslage zwischen 4 und 40%.  

Die sogenannte “Baby-take-Home-Rate" - d.h. ein lebendes Kind mit nach Hause zu nehmen - liegt nicht bei 100%, auch nicht bei 50%, Sie liegt bei ca. 20% bis 30%...  

Nein, die assistierte Reproduktionsmedizin ist kein Garant für ein Kind. 
Und nein, es braucht selten nur einen Versuch.  
Manchmal braucht es 3, manchmal 10.  
Manchmal reichen all diese Versuche nicht aus. 

Und viele Paare gehen leer aus. 

Ohne Kind.  

Für immer.  

 

Statistisch gesehen ist jedes 10. Paar ungewollt kinderlos.  

 

Und das hat nicht nur einen Einfluss auf die Partnerschaft 
Nein.
Es hat auch einen Einfluss auf deine Familie, deine Freundschaften, dein Umfeld, deinen Job, deine Lebensqualität 
Einfluss auf einfach alles.   

 

Unsere Ehe hat bis hierher überlebt. Andere tun das nicht.  
Unsere Familien haben uns zur Seite gestanden.  Andere Familien tun das nicht.  
Viele Freundschaften haben diese Zeit überstanden, andere nicht. 

 

Überall und in fast jeder Lebenslage wurde ich mit diesem Wunsch konfrontiert.  
Es gab für mich kein Entkommen.
Keine Auszeit.
Keine Pause.  

Die Zeit des unerfüllten Kinderwunsches ist nichts, das nur so nebenherläuft.  

 

Die Sehnsucht nach einem Kind machte mein Leben aus.  
Die Sehnsucht war mein Inhalt, mein Rahmen und meine Struktur.  
Die Behandlungen, Erfolgsgeschichten anderer und der unbändige Wunsch nach einer eigenen Familie haben mich vollkommen eingenommen.   

Der Kinderwunsch beherrschte mein Leben, meine Gedanken und mein Sein.  
Denn wer könnte ich schon sein, wenn ich keine Mutter bin?  
Wenn ich das augenscheinlich einfachste und natürlichste auf der Welt nicht konnte. Schwanger werden.  

 

Wer war ich dann noch?  

 

Das Projekt fasst mehr als 4 Jahre Kinderwunsch zusammen.  
Um genau zu sein: 1558 Tage.
50 Versuchszyklen. 
50 negative Ergebnisse. 
11 hormonell unterstützte Zyklen in 15 Monaten.  
974 Spritzen, Zäpfchen, Tabletten. 
0 Schwangerschaften. 
0 Kinder.  
Mehr als eine Million geweinte Tränen. 

 

Heute möchte ich euch die Welt zeigen, in der ich jahrelang gelebt habe.
Eine Welt ungewollter Kinderlosigkeit.  

 

Der Titel “manushya”

leitet sich vom Sanskrit ab und bedeutet so viel wie “Mensch sein” oder “menschlich sein”. 
In der Kinderwunschzeit hatte ich häufig das Gefühl, ein schlechter Mensch zu sein. Eine schlechte Freundin zu sein.  

Doch wer wären wir Menschen ohne unsere Gefühle?
Sind sie nicht das, was uns ausmacht.
Das, was uns zum Menschen macht?  

Du bist Mensch. Nicht mehr, nicht weniger.  

 

Ziel der Ausstellung ist,

diesem Tabuthema der ungewollten Kinderlosigkeit Raum und Gehör zu verschaffen.  
Dieses Projekt soll ein Weckruf sein.  
Ein Weckruf für mehr Sensibilität, mehr Verständnis. 
Ein Weckruf, die Gefühlswelt und das Empfinden seines Gegenüber ernst zu nehmen. Seine eigene Gefühlswelt, sein Empfinden ernst zu nehmen. 

Wir möchten Menschen dazu ermutigen, dieses Thema aus einem neuen Blickwinkel zu betrachten und sich mit ihm auseinander zu setzen. 

 

Denn die Betroffenheit endet nicht da, wo ein Kind geboren wird.  

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