Sommersonnenwende - Litha- mein ganz persönlicher Rückblick auf ein halbes Jahr 2024

Lange lebte ich ein Leben gelebt, von dem ich glaubte, es sei meins.
Von dem ich glaubte, es richte sich nach meinen Wünschen und Bedürfnissen.
Von dem ich glaubte, ich spiele darin die Hauptrolle.
Um dann festzustellen, dass dem nicht so ist. Dem nie wirklich so war.

Ein schmerzhaftes Erwachen riss mich aus meiner Illusion.
Meinem Irrglauben, der nun nicht mehr meine Wahrheit war, nicht mehr meine Wahrheit werden und sein konnte.

Wenn ich auf die letzten 6 Monate zurückschaue, kann ich kaum glauben, was in einem so kurzen Zeitraum passieren kann.
Passieren konnte.
Passieren durfte.

Eines Tages, ganz unerwartet, brodelte es in mir, ich war wütend, traurig, ungehalten, enttäuscht, vorwurfsvoll, anprangernd, anklagend, beschuldigend, kraftlos, leer.
Eine innere Sehnsucht quälte mich. Eine unaussprechliche Sehnsucht, die ich so noch nicht kannte.
Die Sehnsucht nach mir.
Ich fragte mich, ob ich nun verrückt werde.
Und ja, ich bin ver-rückt.
Weg von dem, was nicht ich war hin zu dem, was ich bin.

Unangekündigt brach mein ganzes Leben zusammen. Erneut. Glaubte ich doch, ich habe es grade wieder aufgebaut.
Und ja, die Grundsteine für diesen Prozess, in dem ich stecke, wurden gelegt. Eine Grundmauer war es noch nicht. Nur eine Basis, auf der diese Entwicklung nun aufbauen kann.
Auf der ich nun aufbauen kann.
Mich selbst.

Mir wurde bewusst, dass ich meine eigenen Bedürfnisse und Wünsche kaum jemals wirklich wahr- und ernstgenommen habe.
Dass ich nicht nur meine Bedürfnisse, sondern auch mein Handeln und Tun an der Wertschätzung anderer ausrichtete, meine Identität an meinen Beziehungen und Freundschaften festmachte, ich mein Leben an äußeren Faktoren orientierte.
Und währenddessen bäumten sich in mir meine eigenen Wünsche und Bedürfnisse auf, bereit, sich endlich Gehör zu verschaffen, die Ketten zu sprengen und nicht länger in Gefangenschaft zu verweilen.
Nun hatte ich keine Wahl mehr und musste mich dazu bereiterklären, hinzuhören, um weiterzukommen.  

Es war und ist unglaublich schmerzhaft festzustellen, dass ich ganz oft ganz hinten angestanden habe. Weil ich mich selbst dort positioniert habe.
Mich selbst verleugnet habe.
Meinen eigenen Wert nicht sah. Nicht sehen wollte.
Mich an meiner Leistung gemessen habe. Daran, wer mich mochte und mit mir befreundet sein wollte.
In der Hoffnung, dass ich es jemandem wert bin, jemand mich erkennt und sich um mich kümmert, mich an die Hand nimmt, sich meiner Bedürfnisse annimmt und mir mein Leben zeigt.

Diese Person, nach der ich so lange suchte, habe ich nun gefunden.
Sie sitzt hier und schreibt diese Zeilen.
Diese Person bin ich.

Es fällt mir schwer, mir all das einzugestehen. Es anzuerkennen. Es auszusprechen. Es zu (m)einer Wahrheit werden zu lassen.

Es fällt mir schwer, mich von Menschen und Dingen zu distanzieren, mich abzugrenzen – nicht gegen sie, aber für mich.
Es fällt mir schwer, mir zu erlauben, mir meine Energie einzuteilen. Mir zuzugestehen, dass diese Energie nicht nur anderen oder meiner Arbeit gilt, sondern in erster Linie mir und meinem Leben.
Es fällt mir schwer, mich nicht mehr an meiner Leistung und meinem Wissen zu messen.

Es fällt mir immer noch schwer, mir zu erlauben, Grenzen zu setzen. Zu meinem Wohl. Für mich und meine Bedürfnisse.

Vieles fällt mir noch schwer. Und dennoch fühlt es sich leichter an. Ich fühle mich leichter und freier.
Ich fühle mich.

Es ist in Ordnung, dass diese Dinge mir noch schwerfallen. Auch ich darf lernen, Schritt für Schritt, in meinem ganz eigenen Tempo. Meinen Rhythmus finden.
Neuer Raum entsteht und er muss nicht sofort gefüllt werden. Dieser Raum und ich, wir dürfen erstmal einfach nur sein, erprobt, erlebt und gelebt werden. Jeden Tag aufs Neue.

Ich bin unglaublich dankbar für diese Zeit und die Erfahrungen, die auf ihre ganz eigene Art und Weise schön waren und sind.
Dankbar für mich, dass ich den Mut habe, mich zu leben. Denn ich muss letztlich mit mir und meinem Leben zufrieden sein und niemand sonst.
Dankbar für die Menschen, die mir in dieser herausfordernden Zeit zur Seite gestanden haben und das immer noch tun.
Dankbar für die Menschen, die mich hierher gebracht und mir all diese Dinge aufgezeigt haben.
Dankbar für mein Leben, für mich, meinen Mut und meine Stärke, diesen Weg nun zu gehen. Auch, wenn es bedeutet, von vielem Abschied zu nehmen.

Was mich 2024 bis hierher gelehrt hat?
Dankbar zu sein – für die Dinge, die mir den Boden unter den Füßen wegreißen.
Denn ich bin die Schöpferin meines Lebens.

Ich freue mich auf den Rest von 2024!

Danke♥

Weiter
Weiter

manushya | Tür in eine Welt ungewollter Kinderlosigkeit